Biotopverbund und Grünes Band

Im April 2017 hat das bayerische Kabinett die Idee eines grenzübergreifenden Lückenschlusses im oberpfälzer Abschnitt des Grünen Bandes begrüßt und die Vergabe einer Machbarkeitsstudie beschlossen. Ende 2017 konnte die Studie zusammen mit dem Planungsbüro Blum aus Freising begonnen werden.


Ziel der Studie

In der Machbarkeitsstudie soll aufzeigt werden, welche realisierbaren grenzüberschreitenden Projekte im Regierungsbezirk mit den Bezirken Pilsen und Karlsbad möglich sind. Inhaltlich ist das Projekte in drei Säulen gegliedert: Biotopverbund und Biodiversität, Historische Kulturlandschaften sowie der damit verbundene naturverträgliche Tourismus.

Die drei Säulen

Ein Beispiel für die Säule „Biotopverbund und Biodiversität“ ist das Naturschutzgebiet „Torflohe und Pfrentschwiese“ südlich von Waidhaus und direkt an der Grenze gelegen. Der ehemalige Weiher ist ein Biotopkomplex aus Moor- und Feuchtgebiets-Strukturen, in der zahlreiche, zum Teil stark gefährdete Arten zu finden sind. Durch die Renaturierungs- und Widerherstellungsmaßnahmen der letzten Jahre konnte das Gebiet in einen ökologisch wertvollen Zustand gebracht werden. Es dient damit zur Erhöhung der Verbundfunktion des Grenzstreifens und des grenzübergreifenden Biotopverbunds.

Fleischhackerhaus in der Bügellohe
© Regierung der Oberpfalz

Die Säule „historische Kulturlandschaft“ wird anhand des Beispiels der Wüstung Bügellohe deutlich. In dem bügelförmigen Gebiet der Gemeinde Schönsee nahe der Grenze bauten sich Sudetendeutsche nach der Vertreibung eine neue Heimat auf. Unter schwierigsten landwirtschaftlichen und klimatischen Bedingungen lebten die Bewohner ca. 25 Jahre in dieser Gegend, bis 1970 der letzte den Ort verließ. Die meisten der damaligen Häuser sind mittlerweile stark verfallen und nur noch als Reste erkennbar. Lediglich das Fleischhackerhaus blieb relativ gut erhalten und wurde 2012 als Informationszentrum eingerichtet.

Ein Beispiel für die Säule „naturverträglicher Tourismus“ ist die Silberhütte, ein ehemaliges Unterkunftshaus, das seit mehreren Jahren leer steht. Im Gemeindegebiet von Bärnau befindet sich zwischen den Orten Altglashütte und Flossenbürg das gleichnamige Langlaufzentrum „Silberhütte“ mit Parkplatz, Ski-Verleih und vielen, zum Teil grenzüberschreitenden Loipen. Mit seiner Lage direkt im Grünen Band ist die Silberhütte gut dafür geeignet das Bewusstsein für das Grüne Band und dessen Image bei Akteuren der unterschiedlichsten Ressorts zu steigern. Durch den Kauf der Hütte durch die Gemeinde ergeben sich viele Möglichkeiten der Nutzung auch für das Grüne Band.

Das Projektgebiet

Das Projektgebiet (Karte) umfasst entlang der circa 190 km langen Staatsgrenze Oberpfalz - Tschechische Republik im Regierungsbezirk Oberpfalz einen aufgrund der unterschiedlichen ökologischen Ausstattung breiten Korridor zwischen 50 m und 5 km. Auf tschechischer Seite wurde im Bezirk Pilsen im Wesentlichen das Gebiet des Landschaftsschutzgebietes Český les mit einer Fläche von 58.000 ha vorgegeben. Im Bezirk Karlsbad ist eine entsprechende Kulisse noch zu entwickeln.

Ablauf der Studie

Bereits zu Beginn der Machbarkeitsstudie wurden unter anderem das Amt für ländliche Entwicklung, die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Bayerischen Staatsforsten sowie die Gemeinden in den Prozess eingebunden. Auch Vereine und Verbände wie der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz und der Bayerischer Bauernverband wurden beteiligt. Für eine gemeinsame und grenzüberschreitende Umsetzung von Maßnahmen wurden auch auf tschechischer Seite Kontakte zu Behördenvertretern und Verbänden hergestellt. Diese Kontakte wurden wiederum genutzt um Informationen zu bestehenden grenzübergreifenden Kontakten und Initiativen sowie bereits umgesetzten Projekten und Projektideen (Themenkarte) zu sammeln.

Ein weiterer Schritt war eine Bestandserhebung von Fachdaten in der Oberpfalz und der Tschechischen Republik, die unter anderem naturschutzfachliche Daten wie Natura 2000-Gebieten, gesetzlich geschützten Gebieten, Biotope sowie Naturschutzgebiete, aber auch kulturhistorische Daten wie bedeutsame Kulturlandschaften oder Wüstungen umfasste.

Mithilfe dieser Daten sowie der umfassenden Informationen aus den Gesprächen wurde eine Konzeption mit konkreten Umsetzungsvorschlägen erarbeitet. Anhand von Schwerpunkträumen entlang der gesamten Grenzen wurde Projekte zu Zielarten und Ziellebensräumen bzw. Projekthemen und ersten Maßnahmen ermittelt.

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Öffentlichkeitsarbeit

Die Beteiligung aller lokalen Akteure wie Behörden- und Verbandsvertreter auf beiden Seiten der Grenze war von Anfang an Teil der Machbarkeitsstudie. Neben den vielen Einzelgesprächen fanden insgesamt zwei Informationsveranstaltungen im großen Teilnehmerkreis statt.

Zu Beginn der Studie im Mai 2018 wurde eine Auftaktveranstaltung in Schönsee durchgeführt. Präsentiert wurden erste Ergebnisse aus den Gesprächen und der Bestandserhebungen der Fachdaten.

Weitere öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit über die Oberpfalz und die Tschechische Republik hinaus erfuhr die Machbarkeitsstudie durch die Teilnahme an der 10. Paneuropäischen Grünes Band Konferenz in Eisenach im Oktober 2018. Neben einem Vortrag zum aktuellen Stand präsentierte sich die Machbarkeitsstudie als Best-Practice-Beispielen paneuropäischen Kontext.

Auch die 4. Fachtagung zum Management des Nationalen Naturerbes „Grünes Band“ im April 2019 war eine gute Gelegenheit die Machbarkeitsstudie den Teilnehmern aus allen deutschen Bundesländern am Grünen Band vorzustellen.

Den Abschluss der Machbarkeitsstudie bildete die Abschlussveranstaltung im Juni 2019 in Schönsee. Auf der im Rahmen des Partnerforums zur Regionalkooperation Oberpfalz – Pilsen, unter Beteiligung des Kreises Karlsbad, durchgeführten Veranstaltung wurde die Konzeption sowie die erarbeiteten Projektideen einem großen grenzübergreifenden Publikum vorgestellt.

Beispiele für Projektideen

Hagenhaus im Naturschutzgebiet Georgenbg
© U. Blum

Ein Beispiel für einen solchen Projektvorschlag ist der Bereich des Naturschutzgebietes „Niedermoor bei Georgenberg“ und des tschechischen Nationalen Naturdenkmals „Na Požarech“. Der ökologisch sehr wertvolle Feuchtgebietskomplex war ein ehemaliges Vorkommensgebiet des Birkhuhns. Durch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Gebietes und dem damit einhergehenden Verlust der Störungsarmut sind diese jedoch verschwunden. Zur Optimierung der Fläche, ausgerichtet auf die Lebensraumansprüche des Birkwildes, ist ein Maßnahmenpakt aus Extensivierung, Verbesserung des Wasserhaushalts, Gehölzumbau und Wiederherstellung der Störungsarmut geplant.

Das Gebiet des Künischen Gebirges, einem Grenzkamm im Bayerischen Wald, bietet eine weitere Möglichkeit zur Realisierung eines Grünen Band-Projektes. Das durch seine hohe Störungsarmut und geringen Freizeitaktivitäten gekennzeichnete Gebiet beherbergt viele gefährdete Arten, darunter auch das Auerhuhn. Durch eine gezielte Besucherlenkung, Abstimmung von Freizeitaktivitäten und Schaffung eines störungsmindernden Wegenetzes sollen touristische Entwicklungsziele in naturverträgliche Bahnen gelenkt werden. Gleichzeitig sollen die Lebensraumansprüche des Auerhuhns durch Auslichtung von Waldbeständen und Erhaltung von Offenlandflächen verbessert werden.