Starke Partnerschaft im Herzen Europas: Regionalkooperation Oberpfalz und Pilsen feiert Jubiläum

11.11.2022-107

2001 begann die Zusammenarbeit zwischen der Regierung der Oberpfalz und der Region Pilsen: Politiker und Wegbegleiter erinnern sich und blicken nach vorn

Regensburg. Sie war nicht nur die erste, als sie vor 21 Jahren startete – bis heute ist sie auch die einzige Partnerschaft ihrer Art und Größe zwischen Behörden auf bayerischer und tschechischer Seite: die Regionalkooperation zwischen dem Regierungsbezirk Oberpfalz und der Region Pilsen. Das visionäre Ziel: die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu intensivieren, gemeinsam den Wettbewerb mit anderen Regionen Europas aufzunehmen und sich als gleichwertiger Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zu verstehen und zu behaupten. Wie das gelungen ist und welche Projekte die Partnerschaft bis heute mit Leben füllen, das wurde beim Festakt zum Jubiläum der Regionalkooperation im Spiegelsaal der Regierung der Oberpfalz erlebbar.

Unter den Festgästen begrüßte Regierungspräsident Walter Jonas den Bayerischen Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, die Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, Dr. iur. Ivana Červenková, den Pilsener Regionspräsident, Rudolf Špoták und Bezirkstagspräsident Franz Löffler.

Die Ehrengäste verdeutlichten, was die grenzüberschreitende Zusammenarbeit insgesamt und die Partnerschaft zwischen der Regierung der Oberpfalz und Pilsen im Besonderen auszeichnet.

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker betonte: „Die Achse Oberpfalz-Pilsen ist nicht nur für mich als Oberpfälzer, sondern auch als Heimatminister ganz besonders wichtig. Den bayerisch-tschechischen Grenzraum verbindet eine zunehmend enge Partnerschaft und er hat sich zu einer einmaligen Region und attraktiven Heimat entwickelt. Das Heimatministerium unterstützt als starker Partner die Region aktiv. Schon über 30 Leuchtturmprojekte im bayerisch-tschechischen Grenzraum haben wir seit 2016 gefördert. Auch künftig wollen wir Seite an Seite agieren und den Grenzraum immer weiterentwickeln. Ein Dank an alle, die sich unermüdlich für diese geschichtsträchtige Region im Herzen Europas engagieren.“

Die Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, Dr. iur. Ivana Červenková: „In den bilateralen Beziehungen spielen nicht nur die Treffen auf höchster politischer Ebene eine wichtige Rolle, entscheidend ist vielmehr auch die Entwicklung zwischenmenschlicher Beziehungen, die das Interesse am Nachbarland fördern und die Basis unseres guten Verhältnisses bilden. Dies ist insbesondere für die Einwohner der Grenzregionen von großer Bedeutung. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist essenziell für den Aufbau und die Stärkung guter Beziehungen zwischen Nachbarstaaten. Ich bin sehr erfreut über die Intensität der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tschechien. Ein besonders reger Austausch mit zahlreichen Projekten und Veranstaltungen findet zwischen der Oberpfalz und der Region Pilsen statt.“

Regierungspräsident der Oberpfalz, Walter Jonas: „Die Regionalkooperation zwischen Regierung der Oberpfalz und der Region Pilsen entwickelte sich in den vergangenen 21 Jahren zu einem Motor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, sie bildet ein starkes Fundament der bayerisch-tschechischen Freundschaft. Für uns als Regierung ist sie zudem längst fester Bestandteil des Arbeitsalltags mit sicht- und spürbaren Ergebnissen für die Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten der Grenze. Denn die Routine und Kontinuität der Zusammenarbeit mit vielfältigen gemeinsamen Projekte tragen ganz entscheidend zu einem lebendigen Miteinander im Raum Ostbayern und West-Tschechien bei.“

Hejtman Rudolf Špoták: „Durch die Zusammenarbeit ist es uns gelungen, eine der negativen Folgen des Kommunismus in der Tschechischen Republik, die Teilung Europas, zu überwinden und gemeinsam die Vision einer starken Region in der Mitte Europas zu verfolgen. Ich bin überzeugt, dass wir hier optimistisch in die Zukunft blicken können. Es gibt vieles, worauf wir aufbauen können: die freundschaftlichen Beziehungen und die zahlreichen Treffen, in Form von Diskussionsforen, Innovationstagen oder persönlichen Begegnungen. Aber auch gemeinsame Projekte und die Aktivitäten großer und kleiner Unternehmen, die die Grenzregionen zu wirtschaftlich starken Regionen in ihren Ländern vorangebracht haben. Damit wurde der Wunsch unserer Vorgänger erfüllt, dass wir nicht nur ein Transitgebiet werden sollten. Die wirtschaftliche Verflechtung unserer Regionen ist eindeutig zum Vorteil beider Seiten.“

Bezirkstagspräsident Franz Löffler: „Mit der Region Pilsen verbindet uns seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ vor über 30 Jahren eine enge Partnerschaft und Freundschaft. Seit mehr als 20 Jahren leistet die Regionalkooperation dabei einen entscheidenden Beitrag, die grenzüberschreitenden Verbindungen weiter zu vertiefen. Wie wichtig dieser wechselseitige Austausch ist, zeigt sich an den hervorragenden Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten, die wir beiderseits der Grenze haben. Das ist nicht zuletzt das Ergebnis unserer Aktivitäten der vergangenen Jahre und einer optimalen Nutzung von Synergieeffekten. Wir können als Pilsener und Oberpfälzer heute zurecht stolz darauf sein, gemeinsam einen Spitzenplatz im Herzen Europas zu belegen“.

Vor dem Podiumsgespräch warfen mit Simon Wittmann, Landrat a. D. des Landkreises Neustadt a.d.Waldnaab, und MUDr. Petr Zimmermann, der erste Regionspräsident der Region Pilsen, zwei Mitbegründer und langjährige Wegbegleiter einen Blick zurück auf die Anfänge der Zusammenarbeit.

Die Regionalkooperation – Fakten auf einen Blick

  • Der Startschuss für die Regionalkooperation fiel im November 2001 auf Initiative der Regierung der Oberpfalz und der Verwaltungsbehörde der Region Pilsen. Diese hatte erst zum Jahresbeginn 2001 in Zuge der damaligen tschechischen Verwaltungsreform ihre Arbeit aufgenommen.
  • Es fanden bislang zehn große Treffen unter der Ägide von fünf Oberpfälzer Regierungspräsidenten bzw. einer Regierungspräsidentin und sieben Pilsener Regionspräsidenten statt.
  • An diesen Treffen beteiligten sich zudem viele Landräte, Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, Behördenleitungen und Vertreter gesellschaftlicher Institutionen.
  • Die Partnerschaft strahlt weit über die Regionsgrenzen hinaus – 2019 konnte sie sich auf großem internationalen Parkett in der Bayerischen Vertretung in Brüssel vor über 300 Gästen präsentieren.
  • Mit Leben gefüllt wird die Partnerschaft durch die unzähligen Treffen der verschiedenen Arbeitsgruppen u.a. in den Bereichen Verkehr, Gesundheit, Umwelt und Schulen. Mittlerweile sind diese Treffen so selbstverständlich wie Besprechungen mit Teams aus Nürnberg, Landshut oder München.
  • Einen praktischen Einblick in die Arbeit der Partnerbehörde bieten zudem gegenseitige Hospitationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Pilsen und Regensburg.
  • Meilensteine: Aus der Regionalkooperation ist eine Reihe erfolgreicher Projekte hervorgegangen bzw. waren mit dieser eng verbunden, darunter die Einrichtung eines Büros der IHK Regensburg und Oberpfalz in Pilsen, die Europäische Kulturhauptstadt Pilsen 2015, die Errichtung des Drachensees bei Furth im Wald im Zuge des grenzüberschreitenden Hochwasserschutzes, die grenzübergreifende Rettungsdienststelle in Furth im Wald sowie eine Vielzahl an grenzübergreifende Partnerschaften zwischen Gemeinden und auch Schulen.

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