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Nachdem es seit etwa 2005 im Bundesgebiet und auch im
Freistaat Bayern immer wieder zu größeren Masernausbrüchen kommt, ist es ratsam,
allgemein auf mögliche Impflücken aufmerksam zu machen bzw. zu einer Überprüfung
des aktuellen Impfschutzes gegen Masern aufzurufen. Denn an den Masern erkranken
nicht nur Klein- und Schulkinder, sondern auch jüngere und erwachsene Mitbürgerinnen
und Mitbürger. Grundsätzlich muss muss man bei Personen jenseits des Kindesalters
auch sehr oft mit einem schwereren Verlauf und mit Zunahme der Komplikationen
rechnen.
Nehmen Sie daher zum nächsten Arztbesuch ihr Impfbuch mit oder wenden
Sie sich an Ihr
örtlich zuständiges Gesundheitsamt.
Krankheitsbild allgemein
Das Krankheitsbild der Masern ist durch charakteristische Erscheinungen
gekennzeichnet. Der Ansteckungsindex beträgt nahezu 100 %. Die Erkrankung
bricht nach der sog. Inkubationszeit von
im Mittel ca. 8 – 12 Tagen aus.
Es finden sich Symptome wie Fieber, Schnupfen, Rachenentzündung, Bronchitis
und Bindehautentzündung.
Die Kinder sind in dieser Zeit ausgesprochen "unleidlich". Dieses
sog. katarrhalische Vorstadium dauert etwa
2 bis maximal 4 Tage. Es folgt dann eine kurze Entfieberung und mit erneutem
Fieberanstieg kommt es zum Ausbruch des typischen Ausschlages, der in der
Regel am behaarten Kopf hinter den Ohren beginnt und sich dann über das Gesicht
und den Körperstamm auf die Extremitäten ausbreitet.
Bei manchen Kindern kann man an der Innenseite der Wangenschleimhäute die
sog. Koplikschen Flecken erkennen. Das sind
weiße, kalkspritzerartige Flecken etwa in Höhe der oberen und unteren Backenzähne.
Sieht man diese Koplikschen Flecken, gilt die Diagnose als gesichert.
Die Kinder fiebern nach dem Ausbruch des Exanthems noch mehrere Tage mit höheren
Temperaturen, die manchmal bis zu 40° C erreichen können. Nach ca. 1 Woche
erfolgt die Entfieberung und die Kinder genesen bei unkompliziertem Verlauf
sehr rasch.
Komplikationen
An Komplikationen sind vor allen Dingen eine Lungenentzündung sowie eine
Kehlkopfentzündung mit dem dann typischen Masernkrupp sowie eine Mittelohrentzündung
zu nennen.
Am meisten gefürchtet ist jedoch die Masernencephalitis (Gehirnentzündung),
die mit zunehmendem Alter der Kinder häufiger auftritt.
Aber auch ohne die Zeichen einer Masernencephalitis kann man bei
ca. 50 % der Patienten, die an sich einen unauffälligen
Masernverlauf zeigen, im EEG (Ableitung der Hirnströme) Veränderungen feststellen.
Bei solchen Kindern führt man heute Störungen in der psychisch-intellektuellen
weiteren Entwicklung auf eine subklinische, d.h.
nicht zum Ausbruch gekommene Begleitmasernencephalitis zurück. Genaue Zahlen
zum Auftreten dieser gefürchteten Masernkomplikation fehlen. Man schätzt die
Anzahl auf 1 % der Masernerkrankten.
Die Masernencephalitis ist auch heute noch eine Erkrankung, die nur schwer
zu behandeln ist. Die Sterblichkeit beträgt ca. 30 %. Beim Ausheilen der Erkrankung
sind Defekte bei etwa 20 % der an Masernencephalitis Erkrankten zu erwarten.
Spätfolgen
Als weitere Komplikation, die sich erst viele Jahre nach der Ersterkrankung
an Masern zeigen kann, ist die sog. subakute
sklerosierende (verkalkende) Panencephalitis (Entzündung des gesamten Gehirns),
die SSPE zu nennen. Sie gilt heute als Modell einer
sog. "slow virus infection". Dabei kommt
es zu einem "Überleben" der Masernviren im zentralen Nervensystem. Viele Jahre
nach Ersterkrankung kommt es dann zum Ausbruch dieser Encephalitis, die letztendlich
nach einem langen Leidensweg tödlich endet.
In Mitteleuropa machen bisher nahezu 100 % aller ungeimpften Kinder bis zum
16. Lebensjahr eine Maserninfektion durch. Der Durchseuchungsgipfel lag in
den 50er Jahren noch im 4. Lebensjahr und verschob sich in den folgenden 10
Jahren, bedingt durch die zunehmende Impfung, bis in das 6. Und 7. Lebensjahr.
Heute ist es nicht selten, dass ältere Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene
an Masern erkranken.
Durch dieser Spätmanifestation steigt auch das Risiko der Komplikationen,
d.h. die Begleiterkrankungen werden häufiger.
Der Erreger ist das Masernvirus, der natürliche Wirt der Mensch.
Das Masernvirus wird vom Beginn der ersten Anzeichen (Prodromi) an im Nasensekret
und durch Hustenstöße ausgeschieden. Die Infektion erfolgt in der Regel als
Tröpfcheninfektion, d.h. der Erreger wird über
die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes und der Augen vom Körper aufgenommen.
Die Krankheit hinterlässt, wenn sie überstanden wird, eine lebenslange Immunität.
Impfschutz
Die Weltgesundheitsorganisation hat sich die Ausrottung der Masern zum
Ziel erklärt. Dieses Ziel verfolgt auch die deutsche Gesundheitspolitik. Die
Masern können jedoch nur ausgelöscht werden, wenn die Durchimpfungsrate gegen
Masern bereits im Kindesalter mehr circa 95 % erreicht.
Dieses Ziel ist bereits in vielen Ländern, nicht jedoch in der Bundesrepublik
Deutschland, erreicht worden.
Seit einiger Zeit wird daher die Politik der zweimaligen Impfungen verfolgt.
Die 1. Impfung soll im Lebensalter von ca. 15 Monaten erfolgen. Die 2. Impfung
dann zum Einschulungstermin.
In den skandinavischen Ländern, Großbritannien, den Niederlanden und den USA
spielen die Masern, seit Einführung dieser Impfstrategie und einer ausreichenden
Durchimpfungsrate, keine Rolle mehr.
In aller Regel wird die Masernschutzimpfung heute als Kombinationsimpfung
verabreicht, wobei gleichzeitig die Komponenten gegen Masern, Mumps und Röteln
eingespritzt werden. In Zukunft ist mit weiteren Kombinationsimpfstoffen zu
rechnen.
Besonders ist in diesem Zusammenhang auf die Rötelnimpfung hinzuweisen. Diese
ist vor allem für Mädchen notwendig. Die Grundimmunisierung mit einer zweimaligen
Einspritzung sollte unbedingt vor der Geschlechtsreife erfolgen, da nach diesem
Zeitpunkt eine Impfung nur unter Empfängnisschutz durchgeführt werden darf.
Die Folge einer Rötelninfektion ist die Rötelnembryopathie, das ist die Schädigung
der Leibesfrucht durch das Rötelnvirus. Dabei kommt es zu verschiedenen angeborenen
Missbildungen.
In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig darauf hinzuweisen, dass auch die
Buben gegen Röteln geimpft werden, denn nur so kann man dem Ziel einer Ausrottung
der Röteln näher kommen. Die Impfung der Buben ist deshalb wichtig, damit
ein an Röteln erkrankter Bub nicht durch Zufall eine nichtgeimpfte schwangere
Frau mit Röteln anstecken kann.
Um bestehende Impflücken wie z.B. auch bei
der Masern-Mumps-Röteln-Impfung zu schließen, bieten die Gesundheitsämter
im Freistaat Bayern in den 4. Klassen der Grundschulen die Masern-Mumps-Röteln-Impfung
an.
Alternativ hierzu kann diese Impfung selbstverständlich von jedem Arzt, der
die notwendige fachliche Qualifikation besitzt sowie von allen Kinderärzten
durchgeführt werden.
Im Interesse unserer Kinder sollten daher alle Oberpfälzer Eltern ihre Impfbücher
durchsehen, bei Fragen sich an ihre Haus- und Kinderärzte oder an die staatlichen
Gesundheitsämter wenden und dann vorhandene Impflücken schnellstmöglich schließen
lassen.
Die heute erhältlichen Impfstoffe zeichnen sich durch eine hohe Wirksamkeit
und Verträglichkeit sowie durch nur geringe Nebenwirkungen aus.
Für eine persönliche Beratung wenden Sie sich an ihren Kinderarzt / Hausarzt
oder auch an ihr Gesundheitsamt.
Weitere Informationen finden Sie unter:
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