Startseite / Bauen
US-Großprojekt "Efficient Basing Grafenwöhr"

Die US-Armee stationiert im Rahmen der Umstrukturierung ihrer Truppen in Europa und in Deutschland auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ein zusätzliches Truppenkontingent. Dieses Großprojekt der US-Army Europe trägt den Titel "Efficient Basing Grafenwöhr" (EB-G / Effiziente Stationierung in Grafenwöhr) und darf mit seinem Gesamtvolumen von voraussichtlich über 650 Mio. Euro allein für militärische Baumaßnahmen und seiner hohen Komplexität wohl zu Recht als außergewöhnlich bezeichnet werden.

Sechs Bataillone, die in Grafenwöhr bereits bisher regelmäßig übten, werden neu hierher verlegt. Das sind ca. 3.500 Soldaten, die zusammen mit ihren rund 5000 Familienangehörigen in der Region eine neue Heimat finden.

Dazu sind bei laufendem Übungsbetrieb im Truppenübungsplatz rund 150 militärische Einzelobjekte – Neubauten, Umbauten, Renovierungen und Infrastrukturmaßnahmen – bis Ende 2009 in einer Gesamt-Projektzeit von rund 8 Jahren zu realisieren.

Neben den Baumaßnahmen für die militärische Infrastruktur auf dem Truppenübungsplatz benötigt die US-Armee vor Ort auch Einrichtungen des Gemeinbedarfs und Freizeiteinrichtungen. Diese stehen im Zusammenhang mit den von privaten Investoren finanzierten Wohnungsbauprojekten mit über 1.800 Wohnungen in der Region. Das Investitionsvolumen hierfür wird auf weitere rund 350 Mio. Euro geschätzt.

Projektgruppe und Baudienststelle Grafenwöhr

Die Koordinierung der Bau- und Infrastrukturmaßnahmen ist der Bayerischen Staatsbauverwaltung übertragen. Die Projektsteuerungs- und -leitungsaufgaben für dieses Großvorhaben sind für die Staatsbauverwaltung eine große Herausforderung. Auch unter Einschaltung freiberuflich Tätiger für die einzelnen Planungs- und Bauaufgaben bleibt für die Staatsbauverwaltung ein bedeutendes Aufgabenvolumen, das sie mit wesentlicher Unterstützung der beteiligten Ressorts und der tatkräftigen Mitarbeit der nachgeordneten Behörden zu bewältigen hat.

Das hohe Investitionsvolumen und die kurze Bauzeit erforderten besondere organisatorische Maßnahmen. Deshalb wurde von der Obersten Baubehörde auf der Grundlage eines Ministerratsbeschlusses zur Bündelung aller relevanten Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Herbst 2001 bei der Regierung der Oberpfalz die "Projektgruppe Grafenwöhr" eingerichtet. Diese Projektgruppe, die unmittelbar dem Leiter des Bereichs 3 (Bauwesen) unterstellt ist, steuert die Planung und Durchführung der Baumaßnahmen im Truppenübungsplatz. Darüber hinaus steht die Projektgruppe den US-Streitkräften beratend zur Verfügung bei der Vorbereitung und Koordinierung der Planungen für die im Umfeld des Truppenübungsplatzes angesiedelten zivilen US-Wohnungsbauprojekte, die im Rahmen von so genannten "Build-to-Lease"-Mietmodellen durch Investoren realisiert werden.

Die fachtechnische Aufsicht obliegt, wie bei allen Bauaufgaben des Bundes und der Stationierungsstreitkräfte in Bayern, der Landesbaudirektion an der Autobahndirektion Nordbayern (vormals Landesbauabteilung der OFD Nürnberg).

Als der Projektgruppe unmittelbar nachgeordnete Instanz wurde die "Baudienststelle Grafenwöhr" (BDS) geschaffen. Mit Sitz vor Ort ist sie der direkte Ansprechpartner für alle Projektbeteiligten auf Arbeitsebene. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Projektabstimmung mit der US-Army und der verantwortlichen Betreuung von Planung und Baudurchführung militärischer Baumaßnahmen. Gegenüber den eingeschalteten Planungsbüros und den beauftragten Baufirmen nimmt sie die Bauherrnaufgaben wahr. Zum Abschluss der Baumaßnahmen wird die BDS wieder aufgelöst werden.

Die BDS nahm vor Ort zum 1. Dezember 2001 mit einem Start-Up-Team von 7 Personen ihre Arbeit im Ostlager Grafenwöhr auf, formierte sich ab Februar 2002 im südlich angrenzenden Camp Aachen mit zunächst 15 Personen und wurde in der Folgezeit dem zunehmenden Aufgabenvolumen entsprechend personell weiter ausgebaut. Seit 1. Oktober 2003 ist das BDS-Team in der geplanten Sollstärke von 45 Arbeitskräften tätig.

Die BDS arbeitet dabei buchstäblich Tür an Tür mit den Kollegen der US-Bauverwaltung USACE-EUD (US Army Corps of Engineers, Europe District) und des Nutzers USAG-Grafenwoehr (US Army Garrison – Grafenwoehr) in einem für diesen Zweck vom Staatlichen Hochbauamt Amberg renovierten, aus ehemaligen Truppenunterkunftsgebäuden bestehenden ebenerdigen Gebäudekomplex. In einer sozusagen "räumlich erfahrbaren Corporate Identity" nutzen die deutsche Bauverwaltung, US-Fachprüfer und Nutzervertreter die Synergieeffekte der – auch unter der Zielsetzung kurzer Instanzenwege zu den US-Dienststellen – von Anfang an geplanten räumlichen Nähe, um die Bauvorhaben gemeinsam zielstrebig voranzutreiben.

Für die Planung und Objektüberwachung schaltete die BDS weitgehend freiberuflich tätige (FBT) Architekten und Ingenieure ein, die in einem auf der VOF basierenden, geregelten Verfahren sukzessive ausgewählt wurden. Ergänzend tätig für Planung und Objektüberwachung sind teilweise auch Staatliche Hochbauämter.

Großprojekt EB-G in sechs Abschnitten

Das Großprojekt EB-G stellt die BDS vor die Aufgabe rund 50 Neubauten zu errichten und rund 100 Gebäude umzubauen bzw. zu renovieren – zuzüglich der entsprechenden Einrichtungen zur Erschließung bzw. Ver- und Entsorgung und mit Schnittstellen zu geplanten Investorenleistungen für die Infrastruktur im Neubaubereich. Dies alles erfolgt bei laufendem Übungsplatzbetrieb, unterliegt einem stringenten Termin- und Kostengerüst und setzt eine ausgefeilte Projektsteuerungs-Logistik für Planung, Baustellenbetrieb und Umzugsmanagement voraus. Darüber hinaus sind erhöhte US-Sicherheitsstandards während der Bauphase und für die spätere Gebäudenutzung zu berücksichtigen. Viele Maßnahmen sind zeitlich und inhaltlich miteinander verzahnt, da kritische Einzelmaßnahmen potenziell ihre Vorgänger- und Nachfolgeprojekte gefährden.

Die geplanten rund 150 militärischen Einzelbauvorhaben werden auf der Basis der 6 Finanzierungsjahre 2003 bis 2008 stufenweise realisiert.

Neubauten, Umbauten, Erweiterungen, Fragen der Gestaltung

Die Neubauten formen überwiegend das Herzstück des EB-G-Programms, die "BCT-Area" (Brigadegefechtsverband-Gebiet): Hier werden um den Heidweiher herum die neu nach Grafenwöhr verlegten sechs Bataillone einschließlich ihrer technischen Infrastruktur angesiedelt. Dazu werden neue Soldatenunterkunftsgebäude, Kompaniegebäude und zugehörige technische Bereiche errichtet.

Soldatenunterkunftsgebäude
Abb. 1: Dacharbeiten an einem neuen Soldatenunterkunftsgebäude (Juli 2006). Im Vordergrund der Heidweiher, um den sich die Neubaumaßnahmen innerhalb des Truppenübungsplatzes konzentrieren

Die Einzugstermine Mitte 2006, 2007 und 2008 – für jeweils zwei Bataillone pro Jahr – bilden die Meilensteine, auf die der Rahmenterminplan für das Gesamtprojekt aufgebaut ist.

Beispiele weiterer Neubauten sind eine Werkstatt für Zieleinrichtungen und ein Sportzentrum (beide fertig gestellt), ein Einkaufszentrum (im Bau), sowie im sogenannten "Village Center" auf dem Netzaberg bei Eschenbach eine Grund- und Mittelschule, ein Jugendzentrum, eine Kindertagesstätte (alle im Bau) sowie ein "Chapel Complex" (multireligiöses Zentrum – in Planung).

Baustelle der Grund- und Mittelschule im "Village Center" Netzaberg
Abb. 2: Baustelle der Grund- und Mittelschule im "Village Center" Netzaberg (Juli 2006)

In unmittelbarer Nähe zum "Village Center" werden auf dem Netzaberg von einem privaten Investor 830 Wohneinheiten finanziert und gebaut, die anschließend vom Bund für die US-Streitkräfte angemietet werden. Bund und Freistaat Bayern haben durch langfristige Mietgarantien dieses Investorenprojekt ermöglicht. Während die zivile Investorensiedlung Stadtteil von Eschenbach sein wird, bleibt das unter der Projektleitung der BDS errichtete "Village Center" Teil des Übungsplatzes.

Die Umbauten und Renovierungen im Übungsplatz betreffen überwiegend Stabsgebäude und Soldatenunterkünfte. Weitere typische Einzelprojekte sind beispielsweise: Umbau eines ehemaligen Camps zur Militärakademie, Umbau eines Einkaufsgebäudes zum Postamt, Umbau eines Lagergebäudes zum Verwaltungsgebäude für die Militärgemeinde, sowie die Erweiterungsmaßnahmen für eine Kantine, eine ambulante Klinik und eine Fahrzeugwaschanlage. Viele der aufgezählten Maßnahmen sind inzwischen fertig gestellt.

bestehendes Kasernenareal
Abb. 3: Renovierungsmaßnahmen im bestehenden Kasernenareal (Baustelle im Mai 2006)
"Rathaus" der Militärgemeinde
Abb. 4: Das "Rathaus" für die Militärgemeinde – entstanden aus der ehemaligen Heeresbäckerei. Übergeben am 04.03.2005

Die BDS muss bei der Steuerung der Projekte vielfältige Kriterien mit- und gegeneinander abwägen. Standardplanungen und Planungshandbücher der US-Streitkräfte definieren dabei die wesentlichen Vorgaben für die Projektbeteiligten. Kosten- und Terminaspekte sind bei allen Projekten vordringliche Planungskriterien. Eine interessante Ideenvielfalt erwächst naturgemäß aufgrund der Vielzahl von eingeschalteten Architektur- und Ingenieurbüros. Dieser Ideenreichtum hat sich dabei wiederum an dem Ziel eines übergeordneten Gestaltungskonzeptes zu orientieren, das zum einen auf die quartiersweise ablesbaren Bauepochen der Kaserne (Anfänge um 1910) zeitgemäß antwortet, gleichzeitig aber auch den nutzerseitig vorgetragenen Wunsch nach regionaler Identität ernst nimmt.

Kantinengebäude (Dining Facility)
Abb. 5: Umbau und Erweiterung eines Kantinengebäudes (Dining Facility). Fertig gestellt im Juli 2006


Infrastruktur

Vor Baubeginn der Hochbauten und Freianlagen in der "BCT-Area" mussten Straßenerschließung, Strom- und Heizenergieversorgung (Fernwärme, erzeugt aus Erdgas) sowie Wasserver- und Abwasserentsorgung in Angriff genommen sein.

Voraus gingen die Verlegung bestehender Leitungs-Trassen und Abrissarbeiten, die im Wesentlichen ehemalige Camps und Lagergebäude betrafen.

Private Investoren haben im Auftrag der US-Streitkräfte den Bau und Betrieb der Einrichtungen zur Versorgung mit Wasser, Strom, Fernwärme sowie für die Abwasserentsorgung übernommen. Straßenbau und Oberflächenwassermanagement bleiben als Aufgabe bei der BDS. Bis zur HU-Bau-Reife wurden hier sämtliche Planungen von der BDS gesteuert.

Im Zusammenhang mit der Errichtung des "Village Centers" und der Investoren-Siedlung auf dem Netzaberg betreute die BDS die Planung und Errichtung einer direkten Verbindungsstraße zum Ostlager, der sogenannten "TA-1 Road". Die Haupterschließung des Netzaberg-Areals erfolgt allerdings von Norden her - unter anderem durch eine neue Straßenanbindung an die Staatsstraße 2168. Ende 2004 erhielt die BDS den Auftrag für die Bereitstellung dieser Hauptschließung mit sämtlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen und betreute auch die hierfür erforderliche Bauleitplanung der Stadt Eschenbach (Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplan Erschließung). Die unter der Leitung der BDS gegenwärtig realisierten Erschließungsmaßnahmen werden anschließend für den künftigen Betrieb und Unterhalt auf die Stadt Eschenbach übergehen.

Ende August 2006 erteilte die Stadt Eschenbach mit dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Netzaberg "grünes Licht" für den Bau der 830 Investorenwohnungen.

Erschließung des Netzaberg-Areals
Abb. 6: Erschließung des Netzaberg-Areals: Haupterschließungsstraßen, kreuzungsfreie Anbindung an die St 2168 (Baustellenfoto vom August 2006).

Zur Bewältigung des Baustellenverkehrs im Truppenlager Grafenwöhr wurde im Osten, einmündend in die Bundesstraße 299 auf Höhe des Grafenwöhrer Gründerzentrums, eine neue Baustellen-Zufahrt (Tor 6) in den Truppenübungsplatz geschaffen. Auch die Hauptzufahrt am Tor 3 wurde neu organisiert. Nach dem Umbau steht für die Abfertigung bei der Zufahrtskontrolle ein Vielfaches der ursprünglich vorhandenen Kapazitäten zur Verfügung. Die Maßnahmen gewährleisten auch unter den Kriterien der im Rahmen einer Verkehrsuntersuchung für den Großraum Grafenwöhr durch die Bayerische Straßenbauverwaltung prognostizierten künftig höheren Verkehrsbelastung ein schnelles Abfließen des Verkehrs von der B 299 zum Truppenübungsplatz.

Deutsches Baurecht und US-spezifische Planung und Ausschreibung

Auch die US-Streitkräfte haben bei Baumaßnahmen im Truppenübungsplatz das deutsche Baurecht zu beachten; bei Überschneidung mit US-Vorschriften gelten die höherwertigen Anforderungen.

Für alle nach Bayerischer Bauordnung genehmigungspflichtigen militärischen Baumaßnahmen wird gemäß Art. 86 (4) BayBO das Kenntnisgabeverfahren durchgeführt. Im Rahmen dieses Verfahrens erfolgt die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und die Anhörung der Gemeinde gemäß § 37 (2) BauGB.

Im Einzelfall sind Genehmigungen, Gestattungen und Erlaubnisse nach anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften (z.B. nach dem BImSchG, Wasserrecht, Naturschutzrecht, etc.) einzuholen. Die Neubaumaßnahmen "BCT-Area" und "TA-1 Road" zum Beispiel bedingten zusammen eine Waldrodung von mehr als 10 ha und waren daher nach Anlage 1 Nr. 17.2 zum UVP-G (Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung) umweltverträglichkeitsprüfungspflichtig. Nach § 3 Abs. 2 UVP-G in Verbindung mit der Richtlinie hierzu für die Durchführung von Baumaßnahmen der Streitkräfte kann das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die Anwendung des UVP-G ausschließen oder Ausnahmen von den Anforderungen des Gesetztes zulassen, soweit zwingende Gründe der Verteidigung - oder der Erfüllung zwischenstaatlicher Verträge – dies erfordern.

Das BMVg hat einem solchen Antrag des Hauptquartiers der US Army Europe (USAREUR) in Heidelberg, die Anwendung des UVP-G im vorliegenden Fall auszuschließen, mit Verwaltungsakt vom 23. Januar 2003 entsprochen, stellte gleichzeitig aber in seiner Entscheidung sicher, dass die Umweltvorsorge gewährleistet bleibt. Wenn auch das förmliche Verfahren des UVP-G ausgeschlossen war, wurden aber dennoch die materiellen Inhalte zur Anwendung gebracht. Die Nachweise sind in zwei Umweltverträglichkeitsstudien zu den Maßnahmen "BCT-Area" und "TA-1-Road" sowie in einer FFH - Verträglichkeitsstudie erfasst.

Die Auftragsbautengrundsätze 1975 (ABG 75) in Verbindung mit den Richtlinien hierzu (RIABG) regeln das Planungs- und Bauprocedere von Maßnahmen für die Gaststreitkräfte analog zur deutschen Richtlinie RBBau (alte Fassung) in den Schritten KVM (Preconcept), HU-Bau (Concept) und AFU-Bau (Final + Corrected Final Design). Signifikant sind die klar geregelten Zwischentermine für Prüfungen und Prüfkommentarbesprechungen durch die US-Bauverwaltung EUD.

EUD benennt für jedes Teilprojekt einen verantwortlichen Projekt-Manager (PM). Er und seine Fach-PM sorgen für die Einbringung der projektspezifischen US-Vorschriften. Grundsätzlich sind die Planungs- und Ausschreibungsunterlagen von den FBT unter Einschaltung von Übersetzungsbüros zweisprachig deutsch-englisch zu liefern.

Die ABG 75 regeln auch den Zahlungsverkehr und die Kostenerstattung von US an den Bund, der seinerseits die Aufwandserstattung mit dem Freistaat Bayern regelt.

HOAI und VOB / VOL sind zwingend anzuwenden, an VOF und EU-Schwellenwerte hingegen sind die Gaststreitkräfte nicht gebunden. Aufgrund des US-Haushaltsrechts müssen bei der öffentlichen Ausschreibung sämtliche Einzelgewerke einer Baumaßnahme im Paket komplett zusammengefasst von einer Bietergemeinschaft oder einem Generalunternehmer zu einem Gesamtpreis angeboten werden: Neubaumaßnahmen zum Pauschalpreis (mit Aufmaßteil für Ingenieurbau-Anteil), Umbaumaßnahmen auf der Basis von Massen und Einheitspreisen zur Abrechnung nach Aufmaß.

Es gibt also keine "baubegleitende Planung", vielmehr müssen vor jeder Veröffentlichung die detaillierten Planunterlagen und Leistungsverzeichnisse in der Qualität einer einzelgewerkebezogenen Vergabe komplett vorliegen.

Dabei ist von der BDS stets die Frage nach der Schlüssigkeit und Übereinstimmung der Pläne und Leistungsverzeichnisse zu stellen, um Kostenerhöhungen während der Bauzeit (Nachträge) so gering wie irgend möglich zu halten. Auch wenn die BDS sich auf bestmögliche fachkundige, zuverlässige und leistungsfähige freiberufliche Partner stützt, so muss sie deren Leistungen dennoch ständig im Wege gezielter Stichproben prüfen.

Um eine ungehinderte, termingerechte Zustellung aller Angebote sicher zu stellen, werden die Angebots-Eröffnungen von der BDS in der Straßenmeisterei Eschenbach abgehalten.

Online-Vergabe und Informationsbörse Bauaufträge

Seit September 2003 können im Bereich der Hochbauverwaltung des Freistaats Bayern Vergabeverfahren für Bauaufträge nach der "Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen" (VOB) elektronisch über das Internet abgewickelt werden. Auch die BDS Grafenwöhr bietet diesen Service an. Die "Online-Vergabe" ermöglicht den durchgängigen Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung in allen Schritten eines Vergabeverfahrens. Unter www.vergabe.bayern.de können interessierte Firmen aktuelle Ausschreibungen abrufen, Angebote digital bearbeiten und abgeben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich auf der Seite "Vorankündigung" frühzeitig über mittelfristig anstehende Ausschreibungen zu informieren. Diese Seite wurde vor allem im Hinblick auf die für die US-Streitkräfte unabdingbare Vergabe an Generalunternehmer geschaffen, um mittelständischen Unternehmen ausreichend Zeit für Kooperationen in Form von Bietergemeinschaften zu geben und sich als solche an Ausschreibungen zu beteiligen. Außerdem wurde bei der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz eine Informationsbörse eingerichtet, in der die Unternehmen bekannt gegeben sind, die bereits einen Bauauftrag erhalten haben und denen ggf. Subunternehmerleistungen angeboten werden können.

Management-Organisation

Die BDS hat ihr Baumanagement anhand der Projektstruktur von EB-G organisiert: Jede Baumaßnahme wird von einem Team aus den jeweils zuständigen Fach-Projektleitern der Gruppen Hochbau (H1 bzw. H2), Ingenieurbau (I) und Maschinen- und Elektrotechnik (T) gesteuert. Die zentrale Lenkung liegt beim federführenden Projektleiter - in der Regel ist das derjenige Fach-Projektleiter, dessen Fachgebiet das größte projektbezogene Bearbeitungsvolumen ausweist.

Der federführende Projektleiter ist direkter Ansprechpartner für den US-Projektmanager, ebenso wie für den federführenden freiberuflich Tätigen, welcher gemäß Leistungsbild HOAI alle fachlich beteiligten freiberuflich Tätigen bei der Planung und Objektüberwachung koordiniert.

Zu Projektbeginn wurde für die Baumaßnahmen der Finanzierungsjahre 2003 -04 ein freiberuflich Tätiger zur Projektsteuerung eingeschaltet. Für die Baumaßnahmen der Finanzierungsjahre ab 2005 werden die Projektsteuerungsleistungen durch die BDS erbracht.

Querschnittsaufgaben leisten die Gruppe Technische Geschäftstelle (TG) mit Vertragsmanagement für HOAI- und VOB/VOL – Verträge und die Gruppe Verwaltung (V) mit Personalangelegenheiten, Allgemeiner Verwaltung, Rechnungsstelle und EDV.

Zur Unterstützung der BDS in fachtechnischen und Vertragsfragen schuf die damalige Landesbauabteilung an der Oberfinanzdirektion Nürnberg (heute: Landesbaudirektion an der Autobahndirektion Nordbayern) eine Fachprojektgruppe EB-G mit einem ständigen Ansprechpartner für die BDS.

Management-Instrumente, Virtueller Projektraum

Die kurzen Wege im Gebäudekomplex Camp Aachen mit fünf Bürogebäuden und einem Besprechungsgebäude bieten für die Partner BDS, EUD und USAG beste Voraussetzungen zur gemeinsamen Abstimmung, Prüfung und Entscheidung vor Ort.

Auch der für die Termin- und Kostensteuerung der Projektjahre 2003 -04 eingeschaltete Projektsteuerer hat seinen Bürocontainer vor Ort platziert.

Managementinstrumente wie ein Organisations-Handbuch für das Gesamtprogramm und ein Einzelprojekt-Handbuch für jede Baumaßnahme sind obligatorisch, ebenso wie die aktuellen EDV-Programme der Staatlichen Hochbauverwaltung: PRIMAVERA für die Terminplanung und HHV-Bau-CS für die Kostensteuerung, unterstützt durch Excel-Berichte für Management-Reports. Mit Hilfe der DV-gestützten Kosten-Leistungs-Rechnung wird der Personalaufwand der Bauverwaltung unter Mitberücksichtigung des Aufwands für die eingeschalteten freiberuflich Tätigen aufgezeichnet und gesteuert.

Absolut neu ist die Einrichtung eines "Virtuellen Projektraumes" (VPR) zur zentralen, standardisierten Datenübermittlung und -haltung auf dem angemieteten Web-Server eines privaten Anbieters, der mit seiner Software einen verschlüsselten Datenaustausch bei mehrfach gesicherter Datenspeicherung bietet. Gerade bei einem sehr komplexen Großprojekt wie EB-G sind standardisierte Kommunikationsprozesse und Dokumentationsablagen als Steuerinstrumente wichtig. Auch wenn auf die bisher gewohnte Papierform, Email und Fax nicht ganz verzichtet werden kann, stellt die BDS damit allen Projektteilnehmern (Bauverwaltung, US, FBT und Baufirmen) als neues Modell eine standardisierte Plattform mit einer Vielzahl von Teil-Projekträumen zur Verfügung, die es ermöglicht, jederzeit auf aktuelle Daten zuzugreifen und nachvollziehbar - das heißt überprüfbar – zu kommunizieren und zu dokumentieren.

Rechtevergabe und Ordnerstrukturen werden zentral bei der BDS administriert. So genannte "versionierte" Dokumente können nicht gelöscht werden. Über die Abfrage der "Historie" lässt sich nachforschen bzw. nachweisen, ob bzw. wann ein Dokument beim Adressaten geöffnet oder zum Beispiel auftragsgemäß zur Weiterbearbeitung herunter geladen wurde.

Baubeginn Juli 2003

Mit den Abbrucharbeiten für den Umbau eines ehem. Camps zur Militärakademie wurde im Juli 2003 der Baubeginn für das Großprojekt EB-G eingeleitet.

2004 hat die US-Regierung die 25 Einzelbaumaßnahmen der Finanzierungsjahre 2003 und 2004 mit einem Gesamtbudget von rund 174 Mio. US-Dollar zur Ausführung freigegeben, darunter der Neubau einer Werkstatt für Zieleinrichtungen, der Umbau eines ehem. Lagergebäudes zum "Rathaus für die Militärgemeinde", des weiteren eine Sporthalle mit Freisportanlagen, eine Truppenkantine, ein Militärpostamt sowie Soldatenunterkünfte, Kompaniegebäude und technische Wartungseinrichtungen für ein Vorauskommando. Mittlerweile sind die meisten Projekte dieses ersten Auftragspaketes fertig gestellt.

Sportzentrum
Abb. 7: Sportzentrum (Physical Fitness Center) mit Halle, Laufbahn, großem Konditionsbereich und vielen weiteren Trainingsmöglichkeiten, eröffnet am 22. März 2006.
Foto: rmWerbefotografie.de
Soldatenunterkunftsgebäude
Abb. 8: 2006 übergeben: Eines von insgesamt 12 Soldatenunterkunftsgebäuden (New Barracks), die derzeit am Heidweiher entstehen – jedes Gebäude über 100m lang

Die Hochbaumaßnahmen wurden begleitet von umfangreichen Tiefbaumaßnahmen wie zum Beispiel den Baumaßnahmen für Tor 3 und Tor 6, die Verbindungsstraße "TA-1 Road" zum Netzaberg und die Erschließungsmaßnahmen des Neubaugebietes "BCT-Area".

Im Jahr 2005 startete ein nächstes Baumaßnahmen-Paket zur Errichtung von Soldatenunterkünften, einer ambulanten Klinik mit integrierter Zahnklinik, eines großen Einkaufszentrums sowie der Grund- und Mittelschule Netzaberg in Höhe von rund 148 Mio. US-Dollar.

Einkaufzentrum
Abb. 9: Einkaufszentrum im Bau (August 2006): Stahlbetonfertigteilkonstruktion mit Fassadendämmung. Im Hintergrund der Wasserturm – das Wahrzeichen von Grafenwöhr

Für das US-Haushaltsjahr 2006 erfolgte die Freigabe der Baumittel zur Errichtung von weiteren Soldatenunterkünften, Kompaniegebäuden und technischen Wartungseinrichtungen der "BCT-Area" und für die Realisierung der Kindertagesstätte, des Jugendzentrums und des Erschließungsprojektes Netzaberg. Diese weiteren Bauinvestitionen von rund 120 Mio. US-Dollar dürfen zuversichtlich stimmen, dass der Ausbau des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr zur Hauptoperationsbasis der US-Armee Europa wie geplant weitergeht.

Baustelle Soldatenunterkunftsgebäude
Abb. 10: Tanz der Kräne: Mit Hochdruck wird an den Soldatenunterkunftsgebäuden weiter gearbeitet. Den Takt gibt der Rahmenterminplan vor, der sich an den Einzugsterminen für die neu zu stationierenden Truppenteile (2006, 2007 und 2008) orientiert

Stand: Sept. 2006

Ansprechpartner

Leiter der Baudienststelle Grafenwöhr

nach oben
Beitrag in englischer Sprache Englisch-Version

 
Unser Angebot

Stichwortsuche:


[zur erweiterten Suche]

Alphabetisch suchen:

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P, Q | R | S | T | U | V | W | X, Y, Z

© Regierung der Oberpfalz
93039 Regensburg
[Impressum]
[Datenschutzerklärung]