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Presseinfo

Nr. 221: 29.08.2013 
Neuausrichtung der Wirtschaftsschulen

Neues wettbewerbs- und zukunftsfähiges Konzept der Wirtschaftsschulen

Angesichts zunehmender globaler Konkurrenz und dem großem Innovationsdrucks der Wirtschafts- und Arbeitswelt wurde eine Neuausrichtung der bayerischen Wirtschaftsschule notwendig. Damit soll die Schulart wettbewerbs- und zukunftsfähig aufgestellt und ihr Platz in der bayerischen Bildungslandschaft gefestigt werden. Weiterhin sollen durch die Neuausrichtung den Absolventen der Wirtschaftsschule Anschlüsse zu weiterführenden Bildungswegen erleichtert werden.

Unverändert bleibt dabei die Ausrichtung der Wirtschaftsschule: Die Wirtschaftsschule ist eine Berufsfachschule, die neben einer allgemeinen Bildung eine vertiefte kaufmännische Grundbildung vermittelt.

Beginnend in Jahrgangsstufe 7 sollen ab dem Schuljahr 2014/2015 folgende Neuerungen umgesetzt werden:

  • Durchlässigkeit für alle Absolventen - Mathematik wird zum Pflichtfach
    Bisher werden in der vierstufigen Wirtschaftsschule zwei Wahlpflichtfächergruppen angeboten. Die Wahlpflichtfächergruppe H (sogenannter Handelszweig) legt den Schwerpunkt auf den kaufmännischen Bereich, wobei das Fach „Mathematik“ ab der Jahrgangsstufe 8 nicht mehr unterrichtet wird. Ihre Absolventen suchen vorwiegend einen Ausbildungsplatz in einem kaufmännischen Beruf. Etwa drei Viertel der Schüler entscheiden sich erfahrungsgemäß für den H-Zweig.

    Die Wahlpflichtfächergruppe M (sogenannter Mathematischer Zweig) betont zusätzlich den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, sodass deren Absolventen wesentlich bessere Chancen für weitere schulische Anschlüsse, z. B. für den Besuch der Beruflichen Oberschule, haben.

    Um den Grundsatz der Durchlässigkeit für alle Absolventen der Wirtschaftsschule in die Tat umzusetzen, wird künftig das Fach „Mathematik“ für alle Schüler der zwei,- drei- und vierstufigen Form der Wirtschaftsschule als Pflichtfach eingeführt. Um jedoch den unterschiedlichen beruflichen und schulischen Perspektiven der Wirtschaftsschüler weiterhin gerecht zu werden, wird eine Abschlussprüfung im Fach „Mathematik“ nicht verpflichtend vorgesehen; sie kann wahlweise statt einer Abschlussprüfung im Fach „Übungsunternehmen“ (Übungsfirmenarbeit) gewählt werden.

    Mit der Einführung des Faches Mathematik als Pflichtfach entfällt der wichtigste Grund für die traditionelle Aufteilung in die Wahlpflichtfächergruppen H und M, sodass diese Trennung fortan aufgehoben und nur noch eine (wirtschaftliche) Ausbildungsrichtung angeboten wird. Eine weitere Diversifizierung der Ausbildungsrichtungen, beispielsweise in den gewerblich-technischen Bereich, wird es hingegen nicht geben.

  • Stärkung des Profilfaches „Übungsunternehmen“
    Nahezu einmütig wurde in den Diskussionsrunden und in den Fachtagungen zur Neuausrichtung der Wirtschaftsschule die herausragende Bedeutung des Faches „Übungsunternehmen“ herausgestellt. Dieses Profilfach wird zukünftig weiter gestärkt und ebenfalls als Pflichtfach verankert.

    Im Fach „Übungsunternehmen“ vernetzen sich die anderen Unterrichtsfächer. Die Verknüpfung wirtschaftlicher Lerninhalte aus dem Fach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“ muss sich an den betrieblichen Abläufen (Beschaffung, Produktion, Absatz) orientieren. Dem Unterricht in diesem Fach kann dann – phasenversetzt – die Umsetzung des Gelernten im Fach „Übungsunternehmen“ folgen.

    Eine engere Verzahnung ist auch mit den Fächern „Deutsch“ und „Englisch“ vorstellbar. Hier können ebenfalls praktische Lernabschnitte in das Fach „Übungsunternehmen“ integriert und beispielsweise in der jeweiligen Sprache Geschäftsbriefe formuliert oder Verkaufsgespräche geführt werden. An dieser Stelle ist z. B auch die Verbindung zur Informationsverarbeitung sinnvoll.

  • Neues Fach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“
    Im neuen Fach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle (BSK)“ werden unter anderem die Inhalte der bisherigen Fächer „Betriebswirtschaft“ und „Rechnungswesen“ zusammengeführt.

    Die betriebliche Wirklichkeit wird maßgeblich durch Geschäftsprozesse geprägt, die mit den bisherigen Fächergrenzen schwer in Einklang zu bringen sind. Hinzu kommt, dass die zunehmende innerbetriebliche Vernetzung durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien kaum vor diesen Fächergrenzen halt macht. Zukünftig steht im Vordergrund, den Schülern die grundlegenden Zusammenhänge näherzubringen, sie praxisnah auszubilden und schließlich dem Bildungsauftrag der Wirtschaftsschule – Vermittlung einer kaufmännischen Grundbildung – gerecht zu werden.

  • Zusammenführung der Fächer „Textverarbeitung“ und „Datenverarbeitung“ zum Fach „Informationsverarbeitung“
    In der betrieblichen Praxis verläuft die Trennungslinie zwischen Sachbearbeitung und Textverarbeitung fließend. Die Schüler müssen grundlegende Kenntnisse der Informations- und Kommunikationstechnologien erwerben und diese praktisch, auf wirtschaftliche Problemstellungen ausgerichtet, anwenden können. Den veränderten Anforderungen der Wirtschaft wird dadurch Rechnung getragen, dass zum einen die Fächer „Textverarbeitung“ und „Datenverarbeitung“ zum Fach „Informationsverarbeitung“ zusammengeführt werden.

  • Zusammenführung verwandter allgemeinbildender Fächer
    Auch durch das Zusammenführen verwandter allgemeinbildender Fächer sollen das Erkennen von Zusammenhängen für die Schüler verstärkt und das prozessorientierte Lernen gefördert werden. Aus diesem Grund werden die bisherigen Fächer „Biologie“, „Physik“ und „Chemie“ zum Fach „Natur und Technik“, die bisherigen Fächer „Erdkunde“ und „Volkswirtschaft“ zum Fach „Wirtschaftsgeographie“ sowie die Fächer „Sozialkunde“ und „Geschichte“ zusammengeführt.
  • Stärkung bestehender Fächer
    Die Sprachfächer „Deutsch“ und „Englisch“ werden gestärkt: Im Fach „Deutsch“ werden die Möglichkeiten zur differenzierten Förderung der Schüler in der Jahrgangsstufe 7 erweitert. Auch das Fach „Englisch“ wird durch eine Erhöhung des Stundenumfangs in den Jahrgangsstufen 9 und 10 gestärkt.
  • Wahlfächer
    Wie bisher können auch künftig Wahlfächer angeboten werden.
  • Intensivierungsstunden zur individuellen Förderung
    In der neuen Stundentafel sind Intensivierungsstunden zur individuellen Förderung der Schüler geplant. Mit den Intensivierungsstunden wird auch eine Stärkung der schulischen Eigenverantwortung der Wirtschaftsschulen angestrebt, weil durch den erweiterten Gestaltungsfreiraum die pädagogischen Konzepte der Schule besser an die Bedürfnisse vor Ort angepasst werden können. Diese Stunden können beispielsweise zur Sprachförderung oder zur Unterstützung der Vernetzung der Fächer verwendet werden.
  • Betriebspraktika
    Ebenso wie für Lehrkräfte an Berufsschulen wird es auch für Wirtschaftsschullehrkräfte künftig ein verpflichtendes Betriebspraktikum geben. Dadurch sind Lehrkräfte in der Lage, authentischer über Anforderungen in kaufmännischen Betrieben zu berichten.

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